Deutsche Parks

Europa-Park Resort – Macht es gut liebe „Piraten in Batavia“

Der damalige Eingang der "Piraten in Batavia" (c) Maik Rimpl / ThemePark Central
Der damalige Eingang der "Piraten in Batavia" (c) Maik Rimpl / ThemePark Central

„Meistens belehrt erst der Verlust uns über den Wert der Dinge.“
Arthur Schopenhauer

„Piraten in Batavia“ eine vorzeige Themenfahrt in Deutschland

Im Europa-Park Resort ereignete sich am 26. Mai 2018 eine Tragödie. Durch einen Brand wurde die Themenfahrt „Piraten in Batavia“, sowie weite Teile des skandinavischen Themenbereichs zerstört. Glücklicherweise wurde niemand, nach aktuellem Stand, verletzt und die über 20.000 Besucher an dem Tag verließen geordnet Deutschlands größten Freizeitpark. Wir möchten nun vielmehr an eine ikonische Themenfahrt zurückdenken und uns an die schönen Momente erinnern, die wir und viele andere Europa-Park Resort Besucher hatten.

Die „Piraten in Batavia“ wurde in der Saison 1987 eröffnet und befand sich im Themenbereich „Niederlande“. Der Eingangsbereich war perfekt mit seiner Klinkerfassade in den Themenbereich eingebunden und versetzte die Besucher nach betreten des Eingangs in das 18. Jahrhundert. Während dieser Zeit begann die niederländische Kolonialisierung in Indonesien. Bis zum Jahr 1949 wurde das Land sogar noch Niederländisch-Indien genannt und die Hauptstadt Jakarta hieß bis 1942 eben Batavia, wodurch wir nun auch den Namen der Attraktion besser verstehen können. Neben der Themenfahrt, befand sich zudem das Restaurant „Bamboe Baai“, sowie einige Shops in dem gesamten Gebäudekomplex.

Hier begann das Abenteuer "Piraten in Batavia" (c) Maik Rimpl / ThemePark Central
Hier begann das Abenteuer „Piraten in Batavia“ (c) Maik Rimpl / ThemePark Central

„Bamboe Baai“ – Erlebnisrestaurant

Doch das Restaurant „Bamboe Baai“ war nicht seit jeher Teil der „Piraten von Batavia“. In der Anfangszeit der Attraktion, befand sich dort eine Dschungel Passage in der knapp acht minütigen Fahrt. Erst 2008 wurde das Erlebnisrestaurant innerhalb der Attraktion integriert. Warmes Holz und tropisches Grün waren die gestalterischen Hauptelemente von „Bamboe Baai“. Passenderweise wurde auch die asiatische Küche angeboten, wie zum Beispiel Bami Goreng oder Chop Suey. Die Atmosphäre war ohne zu Übertreiben einmalig, mit den vorbei fahrenden Booten der Attraktion und der Möglichkeit den Köchen bei der Zubereitung der Speisen zusehen zu können.

Der "Rot" gekennzeichnete Bereich, zeigt wie groß die betroffene Fläche im Park ist. (c) Google Maps / ThemePark Central
Der „Rot“ gekennzeichnete Bereich, zeigt wie groß die betroffene Fläche im Park ist. (c) Google Maps / ThemePark Central

Thomas Mack sagte damals: “ Mit der Umsetzung des neuen Restaurantkonzepts konnten wir zweierlei Pläne gleichzeitig umsetzten: die bisher einmalige Integration eines Gastronomiebetriebs in die beliebte Attraktion ‚Piraten in Batavia’, die sich aufgrund der Räumlichkeiten anbot und außerdem die Aufnahme von frisch zubereiteter, asiatischer Küche in das gastronomische Angebot unseres Freizeitparks.“.

Neben dem Gastronomischen Angebot, wurden in dem asiatischen Ambiente die Abendshow „Indonesia Malam“ gezeigt. Als Gast wurde man mit Show Einlagen wie Tanz, Artistik und Live Gesang unterhalten. Außerdem wartete ein schmackhaftes vier Gänge Menü auf die Gäste der Abendveranstaltung.

Ulrich Damrau der Kopf hinter der Attraktion

Für die Gestaltung war zur damaligen Zeit Ulrich Damrau zuständig. In den 80er Jahren war der Vergleich zu Disney und dessen Freizeitpark allgegenwärtig in der Freizeitpark Branche. Daher nahm sich die Familie Mack die Disney Attraktion „Pirates of the Caribbean“ als Vorbild für die „Piraten in Batavia“. In Disneyland spielte die Attraktion in der Karibik, doch Damrau wollte historisch präzise bleiben und brachte die Europa-Park Version nach Indonesien.

Roland Mack, Ulrich Damrau, Franz Mack, Jürgen Mack (c) Europa-Park Resort
Roland Mack, Ulrich Damrau, Franz Mack, Jürgen Mack (c) Europa-Park Resort

Eine kleine Anekdote ist, dass sich Franz Mack, Roland Mack und auch Ulrich Damrau auf der Baustelle der Attraktion verletzt hatten. Franz Mack fiel in die Baugrube und brach sich ein Bein, Ulrich Damrau fiel ebensoin die Grube und Roland Mack hatte sich das Bein verstaucht. Alle drei scherzten, dass es einen „Fluch der Piraten“ gäbe und diese etwas gegen den Bau der Attraktion hätten.

Ulrich Damrau wurde 1917 in Polen geboren und begann 1979 seine Zusammenarbeit mit dem Europa-Park. Über 25 Jahre lang, war er der kreative Kopf für die Umsetzung des Konzepts des Parks. Im Laufe der Zeit wurde er zum guten Freund und Wegbegleiter für die Familie Mack. Im Jahr 2007 ist Damrau verstorben.

Die Fahrt – Ein Abenteuer in Indonesien

(c) Europa-Park Resort
(c) Europa-Park Resort

Direkt nach der Ausfahrt aus der Station, ging es mit einem kleinen Drop direkt ins Geschehen. Man fand sich in einer Schlacht zwischen Piraten und einem niederländischen Fort wieder, welche visuell sehr eindrucksvoll war. Nach der Schlacht durchfuhr man ein indonesisches Dorf, mit einem Markt in dem Mann neben Waren auch Sklaven kaufen konnte. Letzteres war zur damaligen Zeit leider nicht ungewöhnlich, wodurch die Familie Mack und Ulrich Damrau etwas Zivilkritik ausübten. Anschließend durchfuhr man Batavia, welches in Flammen stand. Zur kürzlich geschehenden Tragödie, eine traurige Parallele die seit Jahrzenten Teil der Geschichte der Attraktion war.

Eine Szene aus der Attraktion "Piraten in Batavia" (c) Manuel Waß / ThemePark Central
Eine Szene aus der Attraktion „Piraten in Batavia“ (c) Manuel Waß / ThemePark Central

Nach der brennenden Stadt fuhren die Besucher durch eine Piratengrotte, in dem die Piraten ihre Geiseln sowie den erbeuteten Schatz präsentierten. Nach der Grotte gelang man in den neusten Teil der Fahrt. Dort befand sich eine kleine Bühne, sowie das indonesische Restaurant „Bamboe Baai“. Um dann sicher und heile in der Station der „Piraten in Batavia“ wieder anzukommen.

Neben 120 Animatronics, hat der Europa Park auch mit zahlreichen digitalen Effekten gearbeitet. So wurde Feuer mittels LED Screens simuliert oder Schwertkämpfe per Projektionen dargestellt. Insgesamt war die Strecke rund 400 Meter lang und die Anfangsabfahrt war 3 Meter hoch. In jedem der 20 Boote, fanden bis zu 16 Personen Platz und die gesamte Halle war 6.000 Quadratmeter groß. Der Hersteller der Bahn war, wie sollte es auch anders sein, Mack Rides.

„Piraten in Batavia“ Teil des „Adventure Club of Europe“

Der "Feuertiger von Batavia" (c) Europa-Park Resort
Der „Feuertiger von Batavia“ (c) Europa-Park Resort

Im Zuge der Einführung des „Adventure Club of Europe“, wollte der Europa-Park eine Storyline im Park integrieren, welche Gebietsübergreifend ist. Angefangen hat alles mit der Eröffnung des „Voletarium“ im vergangenen Jahr. Fast parallel zu der Eröffnung, wurde eben dieser „Adventure Club of Europe“ vorgestellt. Es hieß, dass man diese Geschichte auch auf bestehende Attraktionen des Parks ausweiten möchte. Demnach war die Rede von „Abenteuer Atlantis“ im Griechischen Themenbereich, „Alpenexpress Coastiality“ im Themenbereich „Österreich“ und eben den „Piraten von Batavia“ im niederländischen Themenbereich. So wurde der „Feuertiger aus Batavia“ des „Adventure Club of Europe“ Gründer Bartholomeus van Robbemond mehrmals in der Attraktion zu finden.

Eine Attraktion die ständig im Wandel war

Eine der Besonderheiten der Attraktion waren die Veränderungen innerhalb der Fahrt, zu den saisonale Ereignisse im Freizeitpark. So wurde während der Halloween Zeit der Soundtrack angepasst und auch die Gespräche der Figuren angepasst. Es hört sich so simpel an, aber diese Anpassung hatte eine große Wirkung! Da man durch die herbstliche Dekoration ohnehin in leichter Gruselstimmung war. Des Weiteren haben manche Figuren während der Weihnachtszeit, hier und da Weihnachtsmützen getragen. Der Anblick war zum Teil lustig, da es in die eigentliche Thematik überhaupt nicht passte, aber dennoch zeigte es die Liebe des Parks für diese Themenfahrt.

Auch wenn der Schock des Verlustes groß ist, dürfen die positiven Erinnerungen an dieser tollen Attraktion der Trauer nicht unterliegen. Natürlich hat die deutsche Freizeitpark Branche, eine der noch wenigen eindrucksvollen Themenfahrten verloren. Doch die Familie Mack und deren Team, wird mit großer Sicherheit neue und spannende Erlebnisse an selber Stelle kreieren. Auch werden wir in Zukunft, in welcher Form auch immer, an diese Fahrt erinnert werden, denn es ist schwer vorstellbar, dass der Europa-Park diese Fahrt ohne Hommage ersetzen wird. Zum Schluss möchten wir einen Piraten der Attraktion zitieren:

„Batavia brennt und ihr wollt dorthin?!“

Trotz dieser heute surrealen Warnung stiegen wir ins Boot und erlebten eine tolle Geschichte. Macht es gut liebe Piraten, wir werden uns irgendwann mit Sicherheit wiedersehen!

Werbung

Unsere Partner