Der Freizeitpark Ticiland in Stein am Rhein ist Geschichte. Nach Jahren des Kampfes gegen finanzielle Widerstände, eine Pandemie und gescheiterte Rettungsversuche steht nun fest: Das Millionenprojekt von Schausteller-Legende Peter Hablützel ist nicht mehr zu retten.
Ticiland: Das Ende eines Traums
Was lange befürchtet wurde, ist nun amtlich: Die Ticiland AG beabsichtigt laut einer Publikation im Amtsblatt, ihren Gläubigern am 20. Mai einen Nachlassvertrag mit Vermögensabtretung vorzuschlagen. Ein letzter öffentlicher Hilferuf blieb dabei ohne Erfolg: Noch kurz zuvor hatte der Park auf seinem Instagram-Kanal nach potenziellen Geldgebern gesucht, doch die erhoffte Resonanz blieb aus. Nachdem bereits im Sommer 2025 eine provisorische Nachlassstundung eingeleitet wurde, ist die Schließung nun endgültig besiegelt. Bis Ende Juni soll der Betrieb geordnet eingestellt werden, um einen unkontrollierten Konkurs abzuwenden. Da weder eine intensive Investorensuche noch ein Rettungsversuch der Windler-Stiftung zu einem Ergebnis führten, droht nun der Ausverkauf der Attraktionen.
Peter Hablützel muss seinen Traum begraben
Peter Hablützel entstammt einer Schaustellerdynastie in fünfter Generation und wollte mit dem Ticiland sein Lebenswerk vollenden. Rund 15 Millionen Franken (ca. 15,9 Millionen Euro) sowie seine gesamte Altersvorsorge steckte er in das Projekt. Der Start hätte kaum unglücklicher verlaufen können: Die Eröffnung im Jahr 2020 fiel unmittelbar mit dem Ausbruch der Coronapandemie zusammen. Das riss ein massives finanzielles Loch, während bereits bestellte Anlagen für die zweite Bauetappe weiter bezahlt werden mussten, ob man wollte oder nicht.
Doch damit nicht genug: Stromkosten von bis zu 8.000 Franken (ca. 8.480 Euro) allein im Wintermonat sowie nachträgliche Bauauflagen wie zusätzliche Treppenaufgänge und großflächige Rückhaltebecken fraßen sich tief in die ohnehin angespannte Kasse. Einen weiteren schweren Rückschlag bedeutete der unerwartete Ausstieg von Geschäftspartner Markus Mack-Even, Großneffe von Europa-Park-Gründer Franz Mack und selbst ein ausgewiesener Kenner der Freizeitparkbranche. Trotz rund 33.000 Besuchern im Jahr 2023 gelang es nie, die laufenden Betriebskosten aus den Einnahmen zu decken. Die Familie Hablützel schoss immer wieder privates Kapital nach, doch irgendwann war auch dieser Puffer aufgebraucht. Für Peter Hablützel ist damit das eingetreten, was er wohl am meisten gefürchtet hatte.
Der Park und seine Geschichte
Der Freizeitpark Ticiland liegt in Stein am Rhein im Schweizer Kanton Schaffhausen, nahe der Grenze zu Deutschland. Gegründet von Peter Hablützel, einer Ikone der Schweizer Schaustellerszene, sollte der Park als familienfreundliches Ausflugsziel für die gesamte Bodenseeregion etabliert werden. Mit einer Investitionssumme von rund 15 Millionen Franken (ca. 15,9 Millionen Euro) zählte das Ticiland zu den ambitioniertesten Freizeitparkprojekten der Schweiz der jüngeren Vergangenheit. Die Anlage bot Fahrattraktionen und Erlebnisse für alle Altersgruppen und war von Beginn an auf Erweiterung ausgelegt.
Das Ticiland punktete mit seiner reizvollen Lage direkt am Hochrhein sowie einem familienfreundlichen Angebot abseits der großen Freizeitpark-Hotspots. Für Familien aus der Deutschschweiz, dem Bodenseeraum und dem angrenzenden Südwestdeutschland war der Park eine willkommene Alternative zu weit entfernten Großanlagen. Die persönliche Handschrift einer Schaustellerfamilie, die ihr gesamtes Herzblut in ein Projekt steckt, war dabei spürbar und unterschied das Ticiland von manch gesichtslosen Konzernanlagen. Dass es diese Erfahrung künftig nicht mehr geben wird, ist für die Region zweifellos ein Verlust.
Hast du das Ticiland besucht oder die Entwicklung aus der Nähe verfolgt? Schreib deine Erinnerungen und Gedanken gerne in die Kommentare.
Quelle: Schaffhauser Nachrichten, 16. April 2026








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