Der Brühler Stadtrat hat die Entscheidung über die geplante Erweiterung des Phantasialands überraschend auf Eis gelegt. Was das für das ambitionierte Bauprojekt bedeutet, bleibt vorerst offen.
Die Regierungskoalition aus CDU und SPD wollte ein Bauleitverfahren einleiten, das eine detaillierte Prüfung der Ausbaupläne ermöglicht hätte. Daraus wird vorerst nichts: Der Stadtrat hat die Entscheidung in seiner jüngsten Sitzung vertagt. Eine Weichenstellung könnte nun frühestens im Sommer im zuständigen Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung erfolgen. Für die Gegner der Erweiterungspläne ist das ein erster Erfolg.
Ein Park mit großen Plänen
Das Phantasialand in Brühl bei Köln zählt zu den bekanntesten und meistbesuchten Freizeitparks Deutschlands. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1967 hat sich der Park kontinuierlich zu einem internationalen Besuchermagneten entwickelt und begeistert jährlich Millionen von Gästen mit aufwendig gestalteten Themenbereichen, Hochgeschwindigkeitsachterbahnen und einem gehobenen Hotelbereich. Nun möchte das Unternehmen einen weiteren großen Schritt wagen: Auf dem angrenzenden Naturschutzgebiet Ententeich plant das Phantasialand ein Aquapark-Hotelresort sowie eine Theater- und Konzerthalle. Das Gebiet grenzt direkt an das bestehende Parkgelände und soll über einen Tauschvertrag mit dem Land Nordrhein-Westfalen erschlossen werden. Als Ausgleich für die rund 14 Hektar des Naturschutzgebiets ist eine Ersatzfläche von rund 38 Hektar vorgesehen, die neu aufgeforstet werden soll.
Unabhängig vom politischen Streit um die Erweiterung bleibt das Phantasialand eines der erlebnisreichsten Reiseziele in der Region. Die Themenbereiche wie das futuristische “Mystery” oder das stimmungsvolle “Rookburgh” bieten eine Immersionstiefe, die in Europa ihresgleichen sucht. Hinzu kommen international preisgekrönte Achterbahnen wie “Taron” und “F.L.Y.”, die das Herz jedes Coasterliebhabers höher schlagen lassen. Mit dem angeschlossenen Hotel Matamba und dem Charles Lindbergh Hotel bietet der Park außerdem die Möglichkeit, das Erlebnis auf mehrtägige Ausflüge auszudehnen. Kurzum: Wer noch nicht im Phantasialand war, hat einen guten Grund zu kommen. Wer schon da war, kennt bereits den nächsten.
Phantasialand meldet sich zu Wort
Nachdem das Phantasialand im Vorfeld der Ratssitzung keine öffentliche Stellungnahme abgegeben hatte, meldete sich das Unternehmen im Anschluss mit deutlichen Worten zu Wort. In einer Stellungnahme gegenüber der Kölner Lokalredaktion von t-online erklärte der Park, man habe die Entscheidung des Stadtrats zu respektieren, kritisiere jedoch die aus seiner Sicht unnötige weitere Verzögerung. Zugleich appelliert das Unternehmen dringend an den Rat, das Bebauungsplanverfahren schnellstmöglich wieder aufzunehmen. Es sei das angemessene, bewährte und gesetzlich verankerte Verfahren, um das Vorhaben fair, transparent und ergebnisoffen zu prüfen. Das Phantasialand betont dabei auch die politische Verantwortung des Rats gegenüber der Stadtbevölkerung, der finanziellen Handlungsfähigkeit Brühls sowie den lokalen Betrieben und Unternehmen.
Naturschutz gegen Wirtschaftsinteressen
Im Zentrum des Konflikts steht das Naturschutzgebiet Ententeich. Das 14 Hektar große Areal beherbergt seltene Tierarten und rund 15.000 Bäume. Darüber hinaus erfüllt es eine wichtige ökologische Funktion als Wasserrückhalt für das tiefer gelegene Stadtgebiet Brühls. Das “Netzwerk NSG Ententeich”, ein Zusammenschluss aus Parteien sowie Bürger- und Klimaschutzgruppen, lehnt jede Bebauung des Gebiets kategorisch ab. Eine Bebauung würde das Naturschutzgebiet dauerhaft zerstören, so die Überzeugung des Netzwerks. Zudem befürchten die Mitglieder bei Starkregen eine ernsthafte Gefährdung der Anwohnenden, sollte der natürliche Wasserrückhalt wegfallen.
Bürgerbegehren in Vorbereitung
Bereits am Vorabend der Ratssitzung demonstrierten rund 250 Menschen vor dem Sitzungsgebäude gegen die Ausbaupläne. Auch während der Sitzung selbst übten Bürgerinnen, Bürger und Oppositionsvertreter scharfe Kritik an den Plänen von CDU und SPD. Das Netzwerk hat inzwischen angekündigt, ein Bürgerbegehren gegen das Vorhaben einzuleiten und damit den politischen Druck auf den Stadtrat weiter zu erhöhen. Wie dieser Konflikt zwischen wirtschaftlichen Interessen, kommunaler Entwicklung und Naturschutz letztlich aufgelöst wird, dürfte die Stadt Brühl noch geraume Zeit beschäftigen.
Quellen: Tagesschau, 19. Mai 2026; T-Online, 19. Mai 2026








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