Technikcheck – Antriebsarten bei Achterbahnen

Hier beginnt die Fahrt... auf dem Lifthill von "Colossos" © ThemePark-Central.de
Hier beginnt die Fahrt... auf dem Lifthill von "Colossos" © ThemePark-Central.de

Jeder kennt sie, viele genießen sie – Achterbahnen. Die meisten Gäste sehen nur den Thrill, die Gestaltung und wollen sich den kurzen Adrenalinkick geben. Aber eine Achterbahn ist viel mehr als nur eine Spaßmaschine. Sie ist ein Meisterwerk der Ingenieurskunst. Neben der hohen Verfügbarkeit der Anlage sind auch an die Sicherheit extreme Anforderungen gestellt – Wir sind hier schließlich nicht in der Industrie, sondern in einer Spaßfabrik, in welcher Menschenleben transportiert werden. Das höchste Gut, was wir hier so kennen. In unserer Reihe “Technikcheck” wollen wir euch einige Einblicke hinter die Kulissen liefern, der Name ist selbstsprechend. Beginnen wollen wir mit den verschiedenen Antriebsarten einer Achterbahn.

Definition Achterbahn

Wenn man so drüber nachdenkt, warum heißt eine Achterbahn eigentlich Achterbahn? Das hat tatsächlich einen historischen Hintergrund. Die ersten Achterbahnen hatten wirklich die Form einer Acht. Und da ist die deutsche Sprache ausnahmsweise mal einfach gehalten – Die Form einer Acht, es ist eine Bahn. Das Wort “Achterbahn” ist entstanden.

Begonnen hat die Geschichte der Achterbahn grob im 17. Jahrhundert in Russland, wo findige Erfinder aus Holz erste Rampen bauten, diese mit Eis bedeckten und auf ihnen hinabrutschten. Im 19. Jahrhundert wurde in Frankreich das erste Konzept für eine Loopingachterbahn vorgestellt. Heute gibt es die verschiedensten Konzepte. Es gibt Bahnen, auf welchen man im Stehen oder Liegen fährt. Es gibt geschlossene Tracks, aber auch welche, die zwei offene Enden haben (Alles hat ein Ende, nur die Bahn hat zwei🌭🎢). Und vieles, vieles mehr…

1. Der klassische Lifthill

Der Klassiker unter den Antriebsarten ist der Lifthill. Der Zug wird zu Beginn des Tracks, meister mit einer Gliederkette einen Anstieg hinaufgezogen. Auf dem Rest der Strecke fährt der Zug allein durch sein Eigengewicht durch die Strecke. Neben der Gliederkette gibt es aber auch Achterbahnen mit Reibradantrieb am Lifthill. Ein Beispiel hierfür ist der Wild Train im Fantasiana Erlebnispark Strasswalchen. Meistens wird der Zug durch Reibräder kontrolliert aus der Station befördert und optimalerweise sehr sanft in Richtung Lifthill transportiert, wo dann ein Haken in die Kette einrastet und der Zug die Anhöhe erklimmt.

Wichtiges Sicherheitsmerkmal hierbei. Jeder Lifthill verfügt über eine Rückrollsicherung, sodass der Zug im Störungsfall nicht unkontrolliert rückwärts rollen kann. Meist wird dies über Haken und auf der Gegenseite einer Art Sägezahnprofil gelöst. Dies erzeugt das typische Klackern beim Anstieg. Für manche Achterbahn verstärkt dieses Geräusch noch das Gesamterlebnis, wie auf der Big Thunder Mountain im Disneyland Resort Paris, welche sogar drei Lifthills besitzt.

WIldtrain im Fantasiana - Antriebsart ist ein Reibradantrieb
Der Wild-Train im Fantasiana Strasswalchen

2. Der Trommellift

Etwas ausgefallener ist diese Antriebsart. Besonders oft findet man den Trommellift im Europapark, und zwar bei Euromir und dem neuen Eurosat Can Can Coaster. Hierbei schlängelt sich der Track in einer Spirale nach oben. In der Mitte liegt eine sich rotierende Achse, welche über einen Mitnehmer den Zug mit nach oben nimmt. Wahnsinnig clever, und sehr platzsparend. Auch auf dem Wiener Prater kann man mit “Volare” einen Vertreter dieser Antriebsart finden.

Werden wir weiterhin durch den Weltraum fahren? (c) Europa-Park
Werden wir weiterhin durch den Weltraum fahren? © Europa-Park

3. Der Powered Coaster

Bei dieser Antriebsart kann der Zug kontinuierlich beschleunigt werden. Denn jeder Zug hat seinen Antrieb direkt dabei. Über Stromlaufschienen kann der Elektromotor permanent mit Spannung versorgt werden. Ein riesiger Vorteil ist die Flexibilität in der Layoutgestaltung. Denn ein Powered Coaster wird nie seinen Schwung verlieren (außer bei einem spontanen Stromausfall🔌😮).

4. Der Katapultstart

Die wohl spannendste Oberkategorie der Antriebsarten ist der Katapultstart. Hierfür gibt es verschiedene Antriebskonzepte: Hydraulische Lösungen, die verhältnismäßig günstige Reibradlösung oder die Kür – der LSM-Launch.

Desert Race im Heide Park ist die erste Katapultstart-Achterbahn Deutschlands. 2007 eröffnet erfreut sie noch heute auf ihrer zwar kurzen, aber sehr intensiven Fahrt mit bis zu 4,7G. Patentiert wurde die Technologie von der Achterbahnschmiede Intamin. Hierbei wird Hydrauliköl mit bis zu 300 Bar komprimiert. Durch einen schlagartigen Druckausgleich wird ein Cat-Car, an welchem der Zug eingeklinkt ist, katapultartig beschleunigt. Mit dieser Technologie sind Beschleunigungen von bis zu 2,5G möglich.

"Desert Race" im Heide Park Resort © Christopher Hippe/ThemePark Central
“Desert Race” im Heide Park Resort © Christopher Hippe/ThemePark Central

Katapultstarts können aber auch über Reibradantriebe realisiert sein. Industriereifen werden an Antriebsmotoren montiert. Die Reifen pressen gegen den Zug und können so die Antriebskraft übertragen. Vorteil dieser Technik ist die günstigere Anschaffung, allerdings ist der Strombedarf enorm. Der neue Multilaunchcoaster im Fantasiana Erlebnispark Strasswalchen ist ein Vertreter des Reibradlaunches.

Die Kür – Der LSM Launch. Bei diesem Antriebssystem wird der Zug über elektromagnetische Felder beschleunigt. Über Spulen werden nach dem Prinzip der Induktion in metallischen Schwertern unter dem Zug Magnetfelder erzeugt. Diese wirken dem Feld der Spulen entgegen (Lenz’sche Regel), sodass der Zug nach vorne hin extrem beschleunigt. Das generierte Magnetfeld der Erregerspulen wandert während der Beschleunigung des Zuges mit.


Was ist eure Lieblingsantriebsart? Lasst uns eure Meinung in den Kommentaren wissen, gerne auch mit der dazu passenden Lieblingsachterbahn.🎢🤙🏼

Quellen: Coastersandmore – Achterbahntypen, Wikipedia -Achterbahnelemente, WDR – Frag doch mal die Maus, 11. Mai 2021

Niklas

Disneyland war teuer genug, also musste auch ich Space Mountain Mission 2 fahren. Danke Mama für dieses tolle Hobby, das du mir beschert hast.

Schreibe einen Kommentar